Am Purkijaure und Lilla Lule Älv
Bearbeitet am Mittwoch, 11. Juli 2007 13:32:08 CEST von Stefan_Meuwly
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Sie kennen diese Gewässer gar nicht? Macht nichts, ging mir bis vor kurzem auch so.
Aber so eine Autopanne mit sechs Tagen Wartezeit auf Ersatzteil und Einbau sorgt manchmal für ganz überraschende Einblicke in Landschaften an denen man sonst vorbeigereist wäre.
Dreitausend Kilometer von der heimischen Vertragswerkstatt hatte sich das Malheur bereits zunehmend akustisch bemerkbar gemacht und ein Mechaniker im lappländischen Jokkmokk bestätigte die Befürchtung, das Kreuzgelenk am Kardan war ausgeschlagen.
In Jokkmokk gäbe es ja zwei Campingplätze, aber da ich nicht zu den Gespannfahrern gehöre die immer sofort ans Stromnetz müssen machte ich mich vorsichtig und mit niederer Drehzahl auf die Suche nach einem Warteplatz in freier Wildbahn. Das gefundene Gewässer vor der Tür meines kleinen T@B hielt ich erstmal für einen See bis mir auf der ersten Kanutour zu den verstreuten Inseln doch eine gewisse Strömung auffiel. Ich stand also am Ufer des Lilla Lule Älv, was ja schon ganz nett klingt.
Sechs Tage sind aber lang und so erkundete ich mit dem Bike die Umgebung und entdeckte noch weitere, noch schönere Plätze an jenem Älv und lande schließlich an seinem Ursprung wo er aus dem See Purkijaure, einer verzweigten Wasserlandschaft, abfließt. Also genug zu entdecken für die nächsten Tage.
Purkijaure klingt ja recht nach der Sprache der Ureinwohner und da die Naturvölker mit ihrer Namensgebung meist sehr bildhaft sind, nehme ich einfach mal an, sie wollten damit „flache steinige Pfütze“ zum Ausdruck bringen. Der Jaure kann gut die Größe des Chiemsees haben, was aber hierzulande nichts bedeutet, aber das gemeine an diesem flachen Gewässer sind seine glazialen Granitrundlinge, mit denen er übersät ist. Viele von den braun gegerbten Felsen ragen nicht aus dem Wasser sondern enden einige Zentimeter unter der Oberfläche und sind bei einer Wasserfärbung wie dunkles Weißbier kaum auszumachen. Man fährt eben nach Gehör, wie ich anderntags auch von zwei weit entfernt passierenden Alukanadiern deutlich wahrnehmen konnte.
Ganz bemerkenswert sind jedoch die Rastplätze auch entlang unbedeutender Nebenstrecken oder einfach nur so im Wald. Überall, auch mitten in kacktrockenen Kiefernwäldern, offene Feuerstellen, dazu Toilettenhäuschen, tiersichere Müllbehälter und sogar vorbereitetes, gespaltenes Brennholz. Man wagt sich nicht vorzustellen was unsere Forstverwaltung zu solchen Verbesserungsvorschlägen sagen würde.
Besonders nett auch der Rastplatz mit Namen „Kronudde“ auf einer Landzunge im Jaure, natürlich in schwedischer Vollausstattung. Ich hatte ihn vom Wasser aus entdeckt und versuchte nun seinen Zugang von der Landstrasse her zu finden. Fehlanzeige, die Hütte liegt einfach mitten im Blaubeerwald und man hat Mühe in dem Labyrinth von Rentierpfaden im wadentiefen Moos zurück zu finden. Am Ufer stehen Rentiere, einige davon mit den Vorderläufen hoch an den Birkenstämmen um nach den grünen Zweigen zu angeln. Ivo ist begeistert und erst nach einer Stunde zurück. Gut dass ich meine Hängematte mit im Boot habe.
Morgen wird das neue Kreuzgelenk eingebaut und die Reise nach Norden fortgesetzt, aber Jokkmokk, der Purkijaure und der Lilla Lule Älv bleiben für den Rückweg oder ein anderes Mal vorgemerkt. Es soll in den Flüssen der Region sogar Gold zu waschen sein.
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