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WYSIWYG - Fischen wie der Seeadler
Bearbeitet am Dienstag, 01. Januar 2008 00:00:00 CET von Stefan_Meuwly

Pfeil & Bogen
Die Bogenjäger wissen natürlich ob dieser Möglichkeit, mit dem Pfeil auch Fische zu erlegen. Aber immer wenn mir Leute auf meinem Bogenparcour begegnen und die Sprache auf diese alte Form der Jagd und des Fischfangs kommt, gibt es erstaunte Fragen.

Eine Jagd kann man sich heute nur mehr schwer ohne dieses explosionsgetriebene Blasrohr, Gewehr genannt, vorstellen. Aber auch noch Fische fangen mit Pfeil und Bogen, so ganz ohne Netz und Angel?

Das geht ganz einfach, wie ich oft schon gezeigt habe. Nur das sprichwörtliche fischen im Trüben funktioniert damit nicht. Dafür muss man auch nicht abwarten wer da zufällig den Köder mit dem heimtückisch versteckten Haken schluckt.

WYSIWYG "What you see is what you get" diese junge DTP Weisheit trifft auch auf die bewährte indianische Fischjagd zu und es sind viele Fischarten die so erlegt werden können. Neben den Raubfischen wie Forellen, Lachsen, Hecht auch die Barben in klaren Flüssen und die Karpfen mit ihrer natürlichen Scheibenform. Ja eigentlich eben alles was man im Wasser sehen kann und sich einigermassen ruhig verhält.

Dabei sind die Anforderungen an das Equipment eher bescheiden. Gut lässt sich ein alter Bogen speziell für diesen Einsatz abstellen. Für die oft etwas längere Zielphase ist ein Compoundbogen, wegen seiner Reduktion des Haltegewichts empfehlenswert, aber keinesfalls zwingend erforderlich. Wichtig am Bogen ist nur ein Schußfenster ohne vorstehende Pfeilauflage, denn daran würde sich die Verbindungsleine zwischen Bogen und Pfeil beim Schuß unweigerlich verhängen und reissen. Ein Lederfleck als Auflage, so wie er bei alten Bogen Standard war, ist hier am Besten.

Fischrollen in offener oder geschlossener Ausführung mit Rückspulkurbel für die Leine und die speziellen Fischpfeile bietet der Bogenfachhandel. Weiterer Technik Schnickschnack wird nicht benötigt, kein Visier, keine Stabilisatoren. Wir schießen auf diese kurzen Entfernungen einfach ganz instinktiv und treffen auch noch.

Bogenfischen lernen

Studieren Sie erst mal die ganze Technik, die Rollenfunktionen und den Leinenablauf theoretisch bevor Sie Pfeile fliegen lassen. Dann geht's ans Wasser.

Eine fischförmige Plastikflasche (z.B. Lenor) wird mit etwas Restluft, Leine und Gewicht im Uferbereich versenkt. Der Fisch soll etwa 50 cm unter Wasser sein. Eine möglichst tiefe Stelle wählen, dass Fehlschüsse nicht mit viel Energie in die Steine am Grund schlagen. Einen Fischpfeil ohne Wiederhaken mit der Rückholleine verbinden. Unbedingt die Freigabetaste an der Rolle drücken sonst reißt die Schnur und Sie müssen nach dem Pfeil tauchen. Stellen Sie die Rollenbremse nicht zu stramm. Achten Sie darauf, dass die Leine beim Schuß am Bogen nirgens hängen bleiben kann. Alles Punkte die beim Üben gut funktionieren, aber dann im Jagdfieber...

Bedenken Sie die Lichtbrechung im Wasser, der Fisch steht immer viel tiefer als Sie ihn sehen. Also gut darunter anhalten. Lassen Sie einen Beobachter seitlich beurteilen wo ihr Schuß hingeht, sicher erst mal über den Fisch. Pfeil zurückkurbeln für den nächsten Versuch.

Bei der Karpfenjagd habe ich festgestellt, dass diese bei einem ersten Hochschuß erschrocken flüchten, dann aber in einem großen Bogen zurückkommen um zu sehen was das war. Diese zweite Chance gibt es sonst bei keiner Jagd!

Um ohne Visier instinktiv zu treffen reicht minimalstes Restlicht, ein leichter Schatten unter Wasser reicht schon für den Treffer. Zielen Sie auf den vitalen Bereich hinter dem Kopf, es gibt keinen Drill wie beim Quälen mit dem Angelhaken. Neigen Sie den visierlosen Blankbogen etwa 25° zur Seite, so bleiben Pfeil und Leine optimal im Schußfenster liegen.

Die Bilderserie zeigt meine erfolgreiche Fischjagd-Demo an einem Fluß in den Cevennen. Der Bogen, ein alter Brown Bear mit Wurfarmen und Griffstück aus Holz.






Infos für Einsteiger:

Diese Punkte sind besonders wichtig wenn Sie gerade dabei sind bei eBay, noch ahnungslos, auf ein Bogenschnäppchen zu bieten!

Sie müssen als erstes ermitteln ob Sie einen rechten oder linken Bogen brauchen. Machen Sie dazu ein 4 cm Loch in ein Blatt Papier und halten es mit gestreckten Armen auf Augenhöhe. Peilen Sie durch das Loch ein Ziel an und bewegen Sie das Blatt langsam auf Ihr Gesicht zurück ohne das Ziel zu verlieren. Wenn das Loch vor dem linken Auge landet brauchen Sie einen linkshand Bogen, egal ob Sie sonst Rechtshänder sind. Das Pfeilende muss zum Zielen mit der Zughand unter Ihr dominierendes Auge gebracht werden, das ist der Grund.

Dann müssen Sie noch Ihre Auszugslänge messen, bei Compoundbögen ist diese in einigen Stufen verstellbar. Dazu nehmen Sie einen Meterstab, drücken das Ende auf Schlüsselbeinhöhe gegen die Brust und greifen mit beiden gestreckten Armen und Händen nach vorne und lesen den Wert bei den Fingerspitzen ab. Rechnen Sie die Zentimeter in die beim Bogen üblichen Zoll um. 75 cm entsprächen etwa einer Auszugs- und damit benötigten Pfeillänge von 30 Zoll.

Ganz schwierig wird es nun beim Pfeilkauf. Sie werden beim Bogenhändler an die hundert verschiedene Pfeilwerte vorfinden. Ausschlaggebend für Ihren passenden Pfeil ist die Auszugslänge, das Zuggewicht, die Bogenart und die Methode der Schußlösung. Ein zu steifer Pfeil fliegt nicht sauber, ein zu schwacher kann für Umstehende lebensgefährlich werden. Durch eine starke Biegung beim Abschuss kann er unkontrolliert sonst wohin schnellen oder einfach brechen.

Eine Ausnahme bildet hier nur der schwere Fischpfeil aus Glasfaser. Der muss auf die kurze Schußentfernung mit seinem Gewicht nur den Widerstand des Wassers überwinden.

Wenn also Bogenschießen Ihr neues Hobby werden soll, dann informieren Sie sich erst mal gründlich. Fachliteratur finden Sie unten! Dieser Artikel soll sie nur etwas sensibel dafür machen, dass es zwischen dem Haselnussbogen Ihrer Kindertage und einer hitec Pfeilwurfmaschine gewisse Unterschiede gibt.

Sicherheitshinweise:

Beim probeweise ausgezogenen Bogen die Sehne niemals ohne Pfeil frei geben und auch beim Entlasten mit der Hand beachten, dass sich das leichte Endgewicht beim Compound Bogen plötzlich wieder auf 100% erhöht! Wenn Ihnen dabei die Sehne aus den Fingern schnippst, kann sie reissen und die Compoundmechanik beschädigt werden.

Schützen Sie den Arm, der den Bogen hält, gegen Sehnenschlag und Ihre Zughand mit einem Fingerschutz Tab oder Dreifingerhandschuh. Der Armschutz hält auch gut dickere Kleidung von der Sehne frei.

Beim Schießen im Gelände muss der Bereich hinter dem Ziel frei einsehbar und menschenleer sein!



Ein breites Angebot an Literatur über den Bogensport erwartet Sie.
Bestellen Sie gleich schnell und bequem im Online-Shop und Ihr gewünschter Artikel kommt direkt zu Ihnen nach Haus.

 
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