China nach Beijing 2008
Bearbeitet am Freitag, 31. Oktober 2008 15:20:59 CET von Lilianne_v_d_Goltz
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Vor drei Jahren war ich schon mal zu Besuch in Shanghai und Umgebung. Von der Landschaft und der Natur im Hinterland war ich sehr angetan. Von den Menschen... war ich nicht so begeistert.
Ihr Verhalten und ihre Gewohnheiten empfand ich etwas befremdlich ja sogar seltsam. Ich hatte das Gefühl dass die "Mauer" nicht nur als Denkmal existiert...
Nun bin ich zum zweiten Mal vier Wochen im Land der Mitte und siehe da, grosse Überraschung. Vieles ist jetzt anders, die Olympiade hat China gut getan. Die Chinesen sind viel offener und freundlicher, vor allem selbstbewusster geworden.
Die beiden Meldungen, die Chinas offizielle Nachrichtenagentur Xinhua und der Pekinger Verein der Auslandskorrespondenten zum Abschluss der Olympischen Spiele veröffentlichten, könnten aber unterschiedlicher nicht sein. "Reporter entdecken das echte China", titelte das Staatsorgan in einem Bericht über internationale Olympiaberichterstatter, die dem Land attestierten "unglaublich und großartig" gewesen zu sein.
Die Korrespondentenorganisation zog ein anderes Olympiafazit. Mehr als 30 ernste Eingriffe in die Pressefreiheit seien im vergangenen Monat registriert worden, verkündete der Verband. Zehn ausländische Reporter seien Opfer von Gewalt durch chinesische Polizisten geworden; in acht Fällen wurden Kameras zerstört, Bilder gelöscht oder Notizen beschlagnahmt.
Nun zum lustigen Teil, denn in China ist alles möglich!
Ein kleines Beispiel: Auf einem Gehweg entdecke ich einen schlafenden Motorrad-Taxifahrer. Mitten im Menschenstrom liegt er der Länge nach auf seinem Vehikel, hat den Mund halb offen und sein Handy in der Hand. Er nützt sozusagen sinnvoll seine Wartezeit.
Ein ungewohntes Bild zeigt sich in den öffentlichen Gärten. Hier sieht man vier bis fünf Chinesen auf ihren mitgebrachten Mini-Hockern um einen Tisch sitzen. Sie spielen eifrig Karten, unterhalten sich dabei sehr laut und trinken ihren mitgebrachten geliebten Tee. Sie sind fröhlich und friedlich, winken uns zu.
Und etwas Weiter: Eine andere Gruppe musiziert und singt voller Inbrunst lautstark Mao Lieder, die vorbeigehenden Menschen bleiben stehen und singen mit, es werden sogar Noten verteilt. Es sind plötzlich vierzig bis fünfzig Menschen.
Noch ein anderes, für Europäer ungewohntes Bild zeigt sich in den wunderschön angelegten Parks.
Ein älterer Chinese, um die achtzig etwa, fängt an im Park seine Tai-chi Übungen zu machen. Von den anderen Parkbesuchern lässt er sich dabei nicht stören, auch wenn das ganze eine Stunde dauern kann! Dann gibt es auch die Damen Gruppen die sich mit ihren Fächern zum Tanzen treffen. Radio auf dem Boden, Musik an und es geht los!
Selbst bei der Verständigung mit den Einheimischen hat sich etwas getan. Wärend der Chinese früher bei der Frage nach Englisch nur ein schrilles chinesischen Wort ausstieß, sagt er nun in der nacholympischen Zeit doch schon häufiger: "liddel, liddel"
Und jetzt, zu Thema Essen. Ja... auch sehr "anders" die Vegetarier haben schlechte Karten, es gibt natürlich genug und interessant anzuschauen aber für einen europäischen Gaumen... na ja! ich bin bei Reis und gebratenen Nudeln geblieben, ab und zu hatte ich das Glück Pak-choi, eine Art Mangold, zu bekommen.
Mein China Blog
1. September
Flug München - Shanghai über Amsterdam insgesamt 16 Stunden.
Gleich auf der Fahrt vom Flughafen Pudong - Shanghai zu unserer Bleibe komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus! Entlang der Autobahn wo früher nur Staub und Steine lagen ist alles mit viel Liebe zu "Deko" arrangiert. Wunderschöne Blumen und im Hintergrund Bambus und Zeder.
2. September
Shanghai, eine pulsierende Millionen Stadt. In Shanghai selbst bemerke ich viele neue Gebäude und Wolkenkratzer. Am Morgen machen wir gleich den ersten Stadtbummel und da triff man auf Gebäude und Bauten aus der Kolonial Zeit. Etwas weiter wird man dann in eine ultramoderne, kosmopolitische Gegend katapultiert mit vielen futuristischen Wolkenkratzern. Nach meiner Meinung, der beste Platz in China um die futuristische Entwicklung zu bestaunen.
3 September
Ungefähr eine Autostunde südlich von Shanghai, besuchen wir in Jiading den Konfuziustempel, dort lebt der Konfuzianismus wieder auf... ist sehr präsent, er spielt bei der Bildung von Geheimgesellschaften eine bedeutende Rolle und auch traditionelle Feste hängen mit ihm zusammen.
10 September
Ausflug nach Xinchang. Eine sehr Alte, gut erhaltene klein Stadt mit vielen engen kleinen Strassen. Es existiert noch vieles aus der alten Zeit, sehr authentisch. Hier wurde Ang Lees Film „Lust, Caution" „ Gefahr und Begierde“ gedreht.
Wie die Asiaten auf Deutschlandreise riskieren auch wir im Vorbeigehen einen (diskreten) Blick in die Behausungen der Menschen. Etwas klein und dunkel wirken die Räume in denen die Großfamilien eng zusammen leben.
14 September
Ausflug ins Hinterland nach Jiaxing. Von außen ein unscheinbares Städtchen, aber ich entdecke sehr schnell wie schön und interessant diese alte Stadt mit ihren vielen uralten, runden Brücken auf mich wirkt. Ich genieße besonders die Gelassenheit der Menschen hier.
22 - 25 September
2 1/2 Flugstunden nach Xian zur Terrakotta Armee. Ich bin beeindruckt und bestaune alles um mich herum, es sind 3 riesige Hallen zu besichtigen. Erwähnenswert ist auch die große Moschee im Moslem Viertel. Der Weg dorthin führt durch ein wahres Straßenlabyrinth, dicht gedrängt voll Ständen mit geschäftstüchtigen Verkäufern. Manchmal musste ich mir auch die Nase zuhalten!
26 - 27 September
Wir fahren nach Nanjing mit der Bahn, ich staune wie modern dieser Bahnhof ist. Schon draußen müssen wir uns durch einen markierten Weg schlängeln bis zur Wartehalle, wo wir dann rechts und links sitzen können. Wie im Flughafen werden wir dreimal kontrolliert.
Dann noch mal ein Weg mit Geländer bis zum Gleis. Da wird nicht mehr gedrängt und geschubst wie früher, gut so!
Auf Empfehlung haben wir uns erste Klasse Tickets für entspanntes Reisen besorgt. Dann zwei Stunden Fahrt durch schöne Landschaft, rechts und links viele Granatapfelbäume und große Flächen auf denen Spitzkohl angebaut wird.
Nanjing ist die frühere Hauptstadt vor Peking, sie liegt am rechten Ufer des Jangtsekiang, wo viele schöne, bizarre Steine liegen.
Die Stadt ist sehr schön, viele alte Tempel, ein großes Museum, schön angelegte Gärten. Am Abend empfinde ich beim Spaziergang direkt einen Hauch von südländischem Flair. Viel Beleuchtung mit roten und gelben Seidenlaternen. Viel Betrieb in der Fußgängerzone, die Läden sind sehr lange auf und die Preise geradezu unvorstellbar niedrig…
Mit vielen neuen, durchaus positiven Eindrücken bin ich nach Hause zurückgekehrt. Alles in allem, es war interessant aber zweimal China reicht jetzt auch.
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