Search
Topics
  Create an account Home  ·  Topics  ·  Downloads  ·  Your Account  ·  Submit News  ·  Top 10  
InterPixel
· Aktuelles zum Portal
· eBuch Verlag & Shop
· Kanu Privattrainer
· Barcode Generator
· Geocaching
· myWEB 2.0 Links
· Impressum

InterAktiv
· Home
· Aktive_Rubriken
· Aktive_Themen
· Artikel_Archiv
· Downloads
· Seite_empfehlen
· Suchen
· Top 10
· Umfragen

WW Feeds
·Gumpen an der Loisach(1)
·Baumhindernis Alm / Oberösterreich(2)
·infos engadin(3)
·infos engadin(3)
·Slalom WM in Tacen / SLO(1)
·Dolomitenman 2010(2)
·Infos Gschnitzbach(3)
·Infos Gschnitzbach(3)
·infos engadin(3)
·Infos Gschnitzbach(3)

mehr ...

Besucher Online
Zur Zeit sind 9 Gäste und 0 Mitglied(er) online.


Die deutsche Elbe im Mai 2008
Bearbeitet am Sonntag, 01. Februar 2009 07:00:00 CET von Heinz_Jaeschke

Paddel Infos
Sechshundertsechsundzwanzig Flusskilometer in neun Tagen oder sächsischer Hi-Tec Paddler vs. tschechischem Puristen.

Gezeichnet von dem Wissen, dass ich mir für die Saison 2008 besonders viele Tagespaddelkilometer vereinnahmen will, musste eine Einfahrtour im Frühjahr ran. Die Paddelgelenke sollten z. B. für den Rheinmarathon (131 km/ Tag) oder den Elbe- Mammut-Marathon (240 km/2 Tage) rund werden.

Durchgängiges Paddeln ohne Zwangspausen bot die Elbe. Der längste hindernisfreie zu befahrende Wanderfluss Mitteleuropas. 727 km haben die Deutschen ausgeschildert von der Grenze (Schöna) bis Cuxhafen mit nur einer Staustufe.

Auf der Elbe von Dresden bis Dessau bin ich schon mal gepaddelt. Der Rest bis Hamburg war unbekannte Aufgabe. Also versuchte ich einen oder mehrere Leidensgefährten im wahrsten Sinn des Wortes für mein Vorhaben zu finden. Geteiltes Leid ist ja halbes Leid. Alle durchschauten meine Leidenspläne und niemand paddelte mit. Sie hatten sicher auch eine gewisse Verbindlichkeit in den Paddeltagesleistungen erkannt, welches in der Teilnahme am Hamburger Hafenfest (Pfingsten) begründet war. Damit war der größte Teil der Vorbereitung mit den Sportfreunden ausgefüllt, die detail genaue Begründungen hatten, warum die mögliche gemeinsame Paddelfahrt ins Wasser fällt.

  • 1. Mai, wie Christi Himmelfahrt, ein Donnerstag

    7 Uhr in Dresden, es regnet leicht. Mit dem Boot auf dem Autodach geht es stromauf entlang der Elbe, durch Pirna, Bad Schandau, Schmilka weiter nach Niedergrund (CZ, Dolni Zlep) und dann rechts runter zur Autofähre. Dort gibt es ein großes flaches Kiesufer, gut zum Packen und Lospaddeln. Ab 9:30 Uhr bin ich im Boot und Pepe auf dem Boot, es hat aufgehört zu regnen. Stromabwärts, nach ca. 1,8 km, kommt auf der linken Elbseite das Deutsche Ufer. Die Null der Elbe- Kilometrierung. Das Elbtal ist hier noch schön eng und mit steilen hohen Felswänden gefasst. Die böhmische Schweiz lässt grüssen.

    Das rechte Ufer ist noch tschechisch. Das ist das bevorzugte Gebiet einer besonderen Gattung der Kontrolleure. Meine Voraussicht sah einen Quereinsteiger vom Tschechischen Festland und die Kontrolleure, beide schwimmfähig auf der Elbe. Der Canadierfahrer, im C 2 mit vier bootsüberragenden blauen PVC-Fässern wurde eng verbunden mit grauen großen Kontrollboot mitten auf der Elbe. Die Kontrolleure machten ein ganz schönes Fass auf zum Kontrollieren der Fässer. Wenn die mit dem „Schmuggler“ beschäftigt sind, komme ich wenigstens ohne Kontrolle durch. Die ersten 3 km sind geschafft. Später warte ich (aus lauter Schadensfreude) auf den frisch gefilzten Mitpaddler. Ich bedanke mich für sein Opfer, die Kontrolleure so gebündelt zu haben. Es ist ein Tscheche aus Reichenberg (Liberec) der auch mit dem Boot nach Hamburg will.

    Endlich habe ich einen Leidensgefährten gefunden. Mit Nichten! Er sagt, jeder fährt für sich. Er wäre sowieso langsamer in seinem Canadier C2 und mit den vielen blauen Tonnen. Ich habe ihm noch Quartier für die Nacht in unserem Bootshaus in Dresden Cotta (61,6 km) angeboten. Er lehnte auch ab, er schläft unter seinem Boot (also er deckt sich zu mit den Boot) und das wäre gut so. Er scheint mir ja was voraus zu haben. Beeindruckt paddle ich voraus. Dieses geschieht alles im schönsten Elbsandsteingebirge mitten auf der Elbe. Den schönsten Teil vom deutschen Elblauf tun sich heute viele Herrentagsgesellschaften in den Mietpaddelbooten schön trinken. Ich bekomme auch ein paar Biere ab, ich meine zum trinken, weil ich lobende Worte zu deren Gesang und deren Sicherheitsdenken finde, dass Sie heute bestimmt nicht vertrocknen. Am schönen Wehlener Ufer werden die meisten Umtrunksboote von der Elbe genommen. Es wird ruhiger in der Schifffahrtslinie.

    12:45 Uhr bin ich in Pirna. Links ist der Bootssteg vom Kanuverein Grün Weis Pirna. Die gute und einfache Möglichkeit zum Aussteigen und für die Mittagsrast. Kurz nach 13 Uhr sitze ich wieder im Boot und es ist sogar noch sonnig geworden. Dafür hat sich Gegenwind eingestellt. Bald bin ich am Schloss Pillnitz und 15 Uhr am berühmten Terrassenufer in Dresden. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Bootshaus in Cotta. Auf zum Elbehafen, dann unter der Flügelweg-Brücke durch und der nächste Bootsteg links ist das Tagesziel.

    Im Bootshaus werde ich mit Kaffee und Kuchen erwartet. Nach 6 Stunden paddeln sehr angenehm. Ich belade noch das Boot für den nächsten Paddeltag. Genauer gesagt, ich belade das Boot mehrmals, weil ich nicht genau weis was zu viel ist oder zu wenig ist.






  • 2. Mai, Freitag, bei den Werktätigen bekannt als ein so genannter Brückentag

    Also begebe ich mich unter die Brücken. 8:30 Uhr Start bei sonnigem aber kühlen Wetter. Die Elbe hat noch leichtes Hochwasser und ist deshalb ziemlich bräunlich. Unter der Autobahn durch in Richtung Meißen. Hier ist das Elbtal schon ein weiter Talkessel. Die Elbe schrammt an den Dämmen entlang. 10.30 Uhr, die Alberechtsburg in Meißen thront über der Elbe (81,9 km), zuvor begann wieder der felsige Teil der Elbhänge. Der Meißener Weinbau ist rechtselbig im roten Gestein zu erkennen. In Diesbar (92,6 km) ist rechts ein Sportbootanleger unter Obhut der hiesigen Gaststätte und fordert zum Aussteigen auf. Also mache ich Pause. Gegenüber ist ein markanter Steinbruch oder eine imposante steile rote Felswand.

    Gemütlich ist der Platz nicht, aber nach 30 km zum Erheben und Essen gut genug. Der kalte Wind frischt auf. 4 Kilometer weiter ist die Burg Schloss Hirschstein zu sehen. Sehr markant über der linken Elbe. Das letzte Große über der Elbe. Dann werden die Ufer flach und weitläufig. Meistens ist eine Seite noch bewaldet. Je mehr die Elbe in den Dämmen geführt wird umso näher kommt man Riesa. Riesa (108 km) ist dann auch keine optische Bereicherung. Also nur kurze Pause. Später überhole ich wieder den tschechischen Sportfreund in seinem C2. Wir sprechen ab, dass wir beim Torgauer Kanu Club (155,2 km) nächtigen. Noch ein großes Stück Arbeit liegt vor uns. Endlich kommt Mühlberg (127,2 km) rechts rein und zum Bootssteg vom Ruderverein. Kurze Pause (16 Uhr) mit Lockerung.

    Das Flachland wird von dunklen Gewitterwolken überdeckt. Aber das Gewitter bleibt bis kurz vor Torgau der Elbe fern. 18:30 Uhr erreiche ich den Ausstieg nach der Torgauer-Brücke bei dem Bootshaus vom Kanuclub Torgau. Die dicke schwarze Wolke über Torgau bewirkte bei mir eine sehr verbindliches und schnelles Handeln. Das Boot fix aus dem Wasser und ein Quartier für mich gab es auch noch. Dann folgt 1 Stunde saftigster Gewitterregen mit Sturmböen. Der tschechische Sportfreund ist noch nicht da, vielleicht hat er sich vorher in Sicherheit gebracht. Ab und zu schaue ich zur Elbe, falls er sich doch durch beißt. 19:30 Uhr sehe ich ihn paddeln. Kaputt und pitschenass kann er meine Hilfe gut gebrauchen. Er bewegte sich etwas unrund, sein „Chefsessel“ im Canadier hatte ihn mit offnen Stellen versorgt. Nebenbei, er saß am hinteren Süllrand nur auf einem Stück Styropor, welches schon aufgearbeitet war. Beim Transport der blauen Tonnen habe ich gemerkt, dass diese meistens nicht ganz voll und nach Themen befüllt sind. Also Wäsche, Essen, Schlafsack, usw. Kleinere wasserdichte Tonnen wollte er nicht oder gab es nicht.

    Auch er bekommt noch ein Zimmer im Kanuclub für 5 €. Abends beim gemeinsamen Abendbrot erfahre ich, dass er Vládjá heißt und dass das seine erste große Tat im Ruhestand ist bzw. werden soll. Das war nun für uns der zweite Paddeltag. 93 km am zweiten Tag, 155 km insgesamt, das ist 1/4 bis Hamburg.

  • 3. Mai, Sonnabend

    7 Uhr aufstehen und Geburtstagskaffee kochen. O` Schreck, der Kaffe fehlt. Ok, dann gibt es eben nur Müsli mit Kaffeesahne und Wasser verdünnt. Ein Paddler aus Hannover spendiert mir dann doch noch einen Instand Kaffee. Er erfährt auch von mir, was das für eine besondere gute Tat ist in Würdigung zu meiner Geburt ist. 8:30 Uhr sitze ich im Boot, das Schloss von Torgau in der Morgensonne und mir ist kalt. Vládjá ist schon viel eher losgepaddelt. Es ist windstill und heute will ich bis zum Coswiger Kanuverein (235,9 km) kommen. Bald habe ich Vládjá ein und er sagt mir, das er noch nicht weis wie weit er heute paddeln will und kann. Er kann kaum noch sitzen. Ich gebe ihm mein Luftkissen zur Polsterung seiner Leiden. Sage ihm noch, dass ich ein rotes Zelt habe, was er bestimmt nicht übersieht und Coswig ist mein Ziel.

    Ab jetzt sind die Verbauungen in der Elbe zur Erhöhung der Strömung regelmäßig vorhanden. Man kann sie gut nutzen um Geschwindigkeit zu machen. Man läst sich vom auslaufenden Kehrwasser stromab beschleunigen. Die Mittagsrast bei Wörblitz fällt aus, weil eine dicke Gewitterwand mit noch dickeren Regentropfen nach mir schmeißt. Fix die Regensachen an und ab ins warme trockne Boot. Es schüttet ca. eine halbe Stunde. Das passiert heute noch dreimal. Bei km 200,6, auf dem Gelände des KV Harmonie Elster wollte ich mit einem frisch gezapften Bier auf die 200 km Marke und auf den Geburtstag anstoßen. Das wurde leider nichts, weil auch der Ausschank im Verein paddeln war. Also paddle ich weiter nach Wittenberg.

    Die WSG Wittenberg (213 km) sollte mir Unterstand bringen vor dem nächsten Regenguss. Deshalb stieg ich aus und stellte mich erwartungsvoll unter einen runden Schauer. Bald wurde ich angesprochen, was ich hier will, wie lange ich bleibe und warum ich mich hier gerade unterstelle usw. Es waren Sportfreunde von der Motorbootfraktion Wittenberg, die ihren Unterstand missbräuchlich benutzt sahen. Also stieg ich wieder ins Boot und paddelte weiter. Wo ich an der rechten Seite von Martin Luther war, fing es wieder stark an zu regnen und zu stürmen. Auch Dr. Martin Luther wurde nass, denn der steht ganz in Rot und ganz alleine am linken Elbufer bei ca. km 214,3.

    Nach Wittenberge kommt die beste und schönste Mäanderstrecke die sich die Elbe angetan hat. Ab km 229 geht es richtig um die Kurven. Bis Coswig sind es nur noch 6 km. Linkselbig kommt auch der schöne Wörlitzer Waldpark zur Mäandergestaltung dazu. Um 17:30 Uhr bin ich am Bootsteg vom Coswiger KV (236 km), der mir nicht viel nützt, weil er noch unter Wasser ist. Also geht es mit nassen Füssen und dem Boot im Schlepp durch den Schlamm zur Zeltwiese. Das rote Zelt schön sichtbar aufgebaut für Vládjá, für mich und Hund Pepe. Ich bin der einzige, der hier zeltet. Es fängt wieder an zu regnen, ich gehe in den Ort um mir den Bauch voll zu schlagen. Über all Familienfeiern, geschlossene Gesellschaften. Endlich bekomme ich einen Platz, draußen auf der Terrasse. Es ist kalt, mir ist kalt und ich bekomme ein fast kaltes Essen.

  • 4. Mai, ein Sonntag

    6 Uhr aufgewacht. Das Zelt und die Wiese ist klitschnass. Bei dieser Kälte und Nässe unter dem Boot schlafen? Vládjá wollte es mir zeigen, aber er fehlt. Ist er noch weiter gefahren? Das Bootshaus ist abgeschlossen. Ich suche Trinkwasser. Den Wasserhahn, den ich finde, der gibt nur trübes und nach Seife riechendes Wasser von sich. Eine Flasche Mineralwasser ist die Lösung. Der geschenkte Instantkaffee überdeckt souverän sämtliche Mineralien mit Eigengeschmack.

    8:15 Uhr bei herrlichen Sonnenschein gestartet. Das Zelt hatte keine Chance zum Trocknen. Das schöne Wetter und die Landschaft ergänzten sich wohlwollend. Das Schloss von Coswig ist gediegen ausgeleuchtet mit der Morgensonne. Eine Belobigung für mich? Es ist ja keiner weiter auf der Elbe. Wo wird Vládjá sein? Vor mir oder sehe ich ihn nicht wieder.

    Heute ist die 300 km Marke dran, also fast die Hälfte vom Hamburger Weg. Die Elbe wird immer breiter, dass Hochwasser ist prägend. Nach 10 km ist die Durchfahrt unter der Autobahnbrücke von der A9 erreicht. Eine große Brücke mit ständigem Brüllen obenauf. Von Roßlau sieht man nicht viel Markantes und von Dessau noch weniger, nur Industrie und deren Brachen. Links mündet die Mulde. Die verändert an der Elbe auch nichts. Die Zivilisation ist linkselbig. Dazu gehört der markante Zielturm (261,4 km) bei Dessau. Er ist ein deutliches hervorragendes Elbzeichen der Benzinverbrennung. Bis km 263 ist hier die Motorboot-Rennstrecke. Nach der Gierfähre (275 km) bei Aken ist es 12 Uhr Mittags. Auch für mich.

    12:30 Uhr gebe ich mich wieder dem Stumpfsinn des Paddelns hin. Doch welche Freude, ich bin nicht allein auf der Elbe und dann noch in meine Richtung. Ein Boot, weis, blau, rot und befüllt mit blauen Tonnen. Ganz schön zäh der Kumpel. Er hatte ja einen ganz beachtlichen Vorsprung. Wir verabreden ein Treffen heute Abend im Kanuverein in Westerhüsen (312,2 km) gleich nach der Fähre. Ich komme dort gegen 17 Uhr an. Teilweise Gegenwind und der vierte Tag der Paddelleidenschaft hat das Ziel begehrlich gemacht. Mir reicht es für heute. Pepe ist schon flink beim Landgang.

    Ungelenk steige ich am Bootssteg aus. Laufe leicht verkrampft, in voller Montur den Elbhang zum Bootshaus hoch in der Hoffnung dass das bald ein Ende hat. Siehe da, Pepe hat die Bootshausbesitzer schon erschnüffelt und freut sich auf die neue Gesellschaft. Kaum werde ich sichtbar höre ich einen Auszug von der Hausordnung, Kampfhunde gehören an die Leine. Einer von den vier Bier trinkenden Bootshausbesitzern stellte meine Annäherung in Frage. Der Überraschungseffekt von dieser deutlichen Ansprache hatte auch was Gutes. Ich fühlte mich wieder kräftig genug für weitere Taten. Ich ging wieder zum Boot um die Hundeleine zu holen. Fand aber als erstes die Flusskarte, wo in wenigen Kilometern Magdeburg angezeigt ist. Also weiter nach Magdeburg. Vládjá wird sicherlich auch merken das ich es hier nicht toll fand.

    Bei 322,9 km rechts rein in die alte Elbe. Nach 500 m am Bootssteg von ESV Lok Magdeburg steige aus und suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Niemand da. Ein Pärchen auf dem Bootsteg, die Pepe schon kennen gelernt hat, sagt mir, dass auf der anderen Seite ganz hinten in der Ecke, vor der Brücke, die Paddler immer pennen. Sie zeigen schräg über den Fluß. So fahre ich auch. Bis ich festsitze. Aussteigen und treideln. Langsam reicht es heute. Es wird 18 Uhr. Am Bootsteg des Kanuclub Börde Magdeburg ist alles Bestens. Ein sehr gepflegtes Gelände und Duschen gibt es auch. Die Weiterfahrt hat sich gelohnt. Hoffentlich findet mich Vládjá hier in der hintersten Ecke der Elbe. Ich schaue oft über das Wasser. Aber es wird dunkel ohne dass ich ihn gesehen habe.






  • 5. Mai, Montag

    Gut ausgeschlafen, gut gefrühstückt und das Zelt wieder nass eingepackt starte ich 8:15 Uhr. Heute aber nicht schräg übern Fluss, sonder parallel zur Brücke/Wehranlage auf die andere Uferseite, ohne zu treideln. 8:30 Uhr bin ich wieder auf dem Hauptstrom (323 km). Zwischen den Brücken von Magdeburg ist eine starke Strömung, mit sehr unruhigem Wasser. Ich paddle sehr konzentriert. Pepe auf dem Heck kennt sich aus, wenn es unruhig wird. Er macht sich ganz flach auf dem Boot und hofft dass es bald vorbei ist. Kurz vor der Einfahrt zum Handelshafen Magdeburg überrascht mich ein Boot am linken Steilufer. Weis, blau rot, blaue Tonnen und keiner da. Vládjá wollte einkaufen im Handelshafen, fiel mir ein. In der Nähe fand ich kein Geschäft. Also schrieb ich ihm, das ich heute bis zum km 400 paddeln will, meine Telefonnummer dazu und dass ein rotes Zelt am Ufer zu sehen sein wird.

    Ich paddle weiter, bei km 333 kommen links der Industriehafen und die Mündung vom Mittellandkanal. Viel Beton, viele Schiffe, alles viel zu groß, man getraut sich dort gar nicht hin. Also rechts vorbei geschlichen. Die Elbe wird immer breiter. Belastend breit. Gut dass es die Betonnung gibt, da weiß man wenigstens, wo der Fluss ist. Aussteigen oder vielleicht zelten kann man vergessen. Hoffentlich geht das nicht bis Hamburg so weiter? Richtig breit ist die Elbe zwischen km 350-360. Die Schilder der Kilometrierung sind manchmal soweit weg, dass ich sie nicht mehr lesen kann. Die Tore von den Poldern sind offen. Kilometerbreites Schwemmland wird hier der Elbe angeboten. Das flache Land und das Wasser scheinen kein Ende zu nehmen. Kein Wald, kein Hügeln, nur flach. Unangenehm wenn man hier drin steckt bei Sauwetter. Nichts wie weg.

    Bei km 339,6 fährt man unter dem Mittellandkanal durch. Ist mir gar nicht so aufgefallen, dass dort oben auch noch Wasser ist. Markant ist rechts auch die Einmündung vom Elbe-Havelkanal mit großer Betonnung und Leuchtfeuer (343,8 km). An der ersten größeren Landerhebung mache ich Mittagspause. In Rogätz (350 km) an der Autofähre, in der Hoffnung einen Bäcker oder Imbiss zur körperlichen Belobigung zu finden. Nichts findet sich, zur verkehrten Zeit am verkehrten Ort. 12:15 Uhr paddle ich weiter, wieder kommt ein endlos breites und langes Stück Elbe. Stumpfsinn du mein Vergnügen. Keine Brücken, kein vorwärts Kommen war zu erkennen. Danach wird man aber mit der schönen Silhouette von Tangermünde belobigt. Beeindruckend kurvt man auf Tangermünde zu. Es tauchen auch wieder die Brücken auf. Tangermünde (388,2 km) lädt zum Verweilen ein. Viele schöne alte Türme, Fachwerkhäuser, Klinkerbauten alles schön hergerichtet und beschaulich. Ich bin erfreut und beeindruckt, dass nach der vorherigen Trostlosigkeit jetzt so eine schöne optische Aufwertung kommt.

    Ich bin an der linken Hafeneinfahrt vor lauter Staunen vorbei getrieben. Der Hafen wäre die Chance zum Ausstieg und zur Übernachtung. Ich paddle weiter und zur eignen Entschuldigung nehme ich die Vorgabe, die ich Vládjá schrieb, treffen bei km 400. Die 400ter Marke kommt, aber kein Gelände zum Zelten, alles ist noch sehr überschwemmt. Bei km 403 ist endlich um17:30 Uhr Schluss. In Arneburg ist das Ufer am Hafen sandig. Der Hafenmeister kommt und weist mich freundlich in die Gegebenheiten des Ortes ein. Er sagte auch das die Gierfähre noch nicht in Betrieb ist wegen dem Hochwasser. Mein Zelt steht wieder schön sichtbar für alle, am linken Elbufer. Ich hoffe das Vládjá mein Zeichen versteht.

    Ich laufe noch in den Ort hoch, finde einen Supermarkt, der mir zum eigenen Kaffee verhilft und ähnlichen. Mit gefüllten Taschen komme ich auf dem Rückweg nicht an der Gaststätte vorbei. Um 20:30 Uhr bin ich am Zelt mit gefüllten Taschen und Bauch. Wo ist Vládjá? Es ist schon dunkel. Im Zelt schreibe ich noch den Tagesbericht und mache die Planung für den nächsten Tag.

  • 6. Mai, ein Dienstag

    6 Uhr aufstehen. Gut geschlafen, blauer Himmel, kein Wind aber es war kalt in der Nacht, besonders am Elbufer. Als erstes beschließe ich, heute wird ein „Ruhetag“ bei dem schönen Wetter und eine „Vládjá- Verpflichtung“ besteht auch nicht mehr, Vládjá ist ja weg. Ich frühstücke gemütlich und packe in Ruhe ein. Trotzdem ist 8:15 Start zum ruhigen Paddeln, denn heute soll ja Ruhetag sein. Die 400 km machen sich in der Gelenkschmiere bemerkbar. Ich muss erst locker werden und mich nicht aufregen, dass der Fluss immer länger wird. Ich schalte wieder um auf Paddelstumpfsinn. Das hilft gut bei den undramatischen weitläufigen Elbeindrücken.

    Ich paddle, und paddle und sehe ganz weit vorn ein kleines Boot auf der Sandbank. Ein Paddelboot hier in der Gegend?. Ich schaue auf die Karte, weil ich eine größere Stadt vermute die diesen Paddler ausgespuckt hat. Wittenberge ist noch weit weg. Ich komme näherer und siehe da, es ist unglaublich, es ist weis, rot, blau und mit blauen Tonnen gefüllt. Am Ufer in der Sonne liegt Vládjá. Verblüfft und freudig begrüße ich ihn. Es gibt viel zu erzählen, vor allem wie wir es geschafft haben uns Nächtigens nicht zu treffen.

    Die Kurzfassung ist die, er hat in Magdeburg auf einem tschechischen Zillenschlepper geschlafen, der unter den Brücken ankerte, weil er mich nicht gefunden hat. Meine Nachricht mit der Telefonnummer hat er dann am nächsten Tag gefunden. Er konnte mich nicht anrufen, weil ich die Landesvorwahl nicht mit aufgeschrieben hatte. Die Nacht bei km 400 hatte er ca. 300 m vor meinen Lagerplatz die Nerven verloren und sich dort unter sein Boot gelegt weil es schon dunkel war. Er sei hundekalt gewesen in der nassen Elbwiese. Er hat fast nicht geschlafen. Vor Kälte hat er es nicht mehr ausgehalten und ist deshalb schon ganz zeitig losgepaddelt. Mit der Gewissheit dass ich ihn wieder einhole, hat er mich schlafen lassen wo er mein Zelt sah. Wir essen gemütlich zu Mittag, genießen die Sonne und probieren die Telefonverbindung. Wir paddeln eine Weile nebeneinander und dann wird Treffen bei km 475 in Schnackenburg an der Fähre verabredet.

    17:30 Uhr bin ich dort und suche auf der Schnackenburger Seite nach einer Möglichkeit zum Zelten. Im Hafen würden wir die Boote nicht raus kriegen, das Elbufer an der Fähre ist unter Wasser und mehr Möglichkeiten gibt es nicht auf dieser Seite. Ich fahre der Motorfähre hinterher, es ist die Gierfähre ohne Leine mit einem kräftigen Außenbordmotor dran. Das ist wahrscheinlich die Hochwasserausführung. Auf der andere Seite noch ein Stück stromauf und unter Weiden ist ein sandiger Platz für uns beide.

    18:30 Uhr kommt Vládjá. Zeltaufbauen und ein feines Abendbrot wird zubereitet. Danach geht es in die 2 km entfernte Kneipe. Sie hat geschlossen, aber es gibt eine Klingel. Wir dürfen eintreten und uns beim kühlen Bier lange aufwärmen. Der Wirt erzählt uns noch die alten deutschdeutschen Grenzgeschichten und dass die Kommunisten dabei waren die Häuser hier auf der Ostseite der Elbe platt zu machen. Ein Glück das die Wende rechtzeitig kam, sonst wären wir hier nicht im Warmen. Vládjá nimmt gern das Schlafen im Zelt an. Ich denke mir, wo ich seine Ausrüstung sehe, dass ich mit der Ausrüstung auch im Zelt gefroren hätte.

  • 7. Mai, Mittwoch, noch 3 Tage bis zum Hafenfest

    6 Uhr aufstehen und feststellen das es noch stark dunstig ist und kalt. Also noch mal rum drehen. Vládjá ist trotzdem 7:15 im Boot, er braucht mit seinem Candier Vorsprung, sagt er. Ich starte 8:15 Uhr, die Elbe ist breit, fast ohne Strömung und langweilig. Ich muss aber straff paddeln, damit ich den 10er Schnitt halte, um Vládjá einzuholen. Um 11:15 Uhr habe ich ihn ein. Wir machen gemeinsam Brotzeit bei km 505 bei Dömnitz. Ein schöner Sommertag ist das heute, ich habe keinen Muskelkater mehr, nichts tut weh, also alles Bestens. Vládjá paddelt um 12 Uhr alleine wieder los, wegen dem Vorsprung. Die Elbe sieht wieder mal wie ein langer, wie ein ganz langer See aus. Bloß gut dass hier kein Gegenwind ist. Das würde zur Quälerei werden.

    Am km 510 hat Vládjá einen Durchhänger, zumindest spricht er jetzt darüber. Es sollte heute nicht so weit gehen. Er kommt nach. Ich habe mich sowieso schon die ganze Zeit gewundert, wie er mit seiner böhmischen Küche diese paddelintensiven Tage so weggesteckt hat. Im Zuge seiner tiefsten Ermattung biete ich ihm Power-Gel, Früchteschnitten und magnesiumhaltiges Getränk an. Er vereinnahmt sich dieses brav.

    Bei km 535 soll ein Campingplatz bei Klein Kühren sein. Ich fahre voraus, damit alles gerichtet ist, wenn mein kaputter Freund ankommt. Der Zeltplatz ist sonnig gelegen und man kann auch gut anlanden. 16:30 Uhr bin ich dort. Mit den Campingchef kann ich einen Übernachtungspreis für 10 € aushandeln. Also alles Bestens. Ich warte mit Pepe auf den Mitstreiter. Vorerst kommt ein großer tschechischer Schubverband stromab mit hoher Geschwindigkeit vorbei. Er ist lang und breit, weil noch drei Kähne nebeneinander gebunden waren. Viel Platz ist auf der Elbe nicht mehr.

    Kurz danach kommt Vládjá ganz aufgeregt zur Landungsstelle. Er schimpft im gebrochenen Deutsch. „Sakra, Jeschich Maria, die eignen Leute bringen ein um, ich habe das Boot extra in tschechischen Nationalfarben gestrichen, die tschechische Flagge am Heck und trotzdem wurde versucht mich mit dem großen Schubverband umzubringen. Ich bin an der linken Bootsflanke lang geschrammt, weil der tschechischen Kapitän sich nicht an die Fahrlinie gehalten hat.“ Vládjá kennt sich aus, bei der Binnenschifffahrt. Bei dem Hochwasser hat der Schubverband eine verbotene Abkürzung genommen.

    Seine Aufregung im gebrochnen Deutsch klingt dann doch ein bisschen lustig. Aus lauter Anteilnahme berichte ich ihm ganz ernst, dass wir zelten können usw. Doch bei Vládjá ist wahrscheinlich das Kraftfutter gut angekommen, er ist für weiterpaddeln. Donnerwetter! Bei km 448, um 19 Uhr ist auf der linken Elbseite eine Zeltmöglichkeit gefunden. Im Hintergrund abgesoffene Kuhweiden. Die Gemeinschaftsküche bietet wieder satte Raritäten.






  • 8. Mai, Donnerstag, Tag der Befreiung vom HiFa

    Ein sonniger Morgen. Das Zelt ist wie immer nass von der kalten feuchten Nacht. In der Morgensonne frühstücken und 8 Uhr ist Vládjá schon unterwegs. Ich folge eine halbe Stunde später. Die Elbe ist wieder sehr breit. Es fehlen Ihr nur noch 2m bis zur Oberkante vom Damm, dann hätte sie das weite Land wieder unter sich.

    Das Paddeln fällt leicht, Boot, Elbe und Körper haben sich anscheinend auf einen Friedensvertrag geeinigt und nicht bedingungslos kapituliert wie es am 8. Mai schon passiert ist. Ich kann langsam paddeln, denn wir wollen gemeinsam durch die Schleuse bei Geesthacht und Hamburg ist nicht mehr weit. Zuvor kommt Lauenburg (570 km) als optische Marker vorbei. Der Schiffsverkehr hat zugenommen. Die breite Elbe wird von vielen Frachtschiffen nebeneinander genutzt. Vládjá hält Abstand zur Berufsschifffahrt! Parallel rechts der Elbe ab Boizenburg (599 km) der schöne Höhenzug „Vierberge“. Landschaft ist wieder sehr interessant und auf der Elbe ist auch genug los. Manche Frachtschiffe sind kühn beladen, was Blech, Maschine und Mensch so auf den Weg bringt.

    13:30 Uhr sind wir an der Schleuse und können fast ohne zu warten auf persönliche Einladung vom Schleusenmeister einfahren. Die Schleuse ist schon gefüllt mit Frachtschiffen. Ein kleiner Bereich in der hinteren Ecke bleibt für uns. Hinten in der Schleuse ist nicht so gut, gibt Vládjá zu bedenken. Beim Losfahren der Schiffe sitzen wir im Kuddelwasser. So kommt es dann auch.

    Wir paddeln um 14 Uhr aus der Schleuse. Kurz nach der Schleuse sitzt eine mittelprächtige Frau auf einem Steg. Ich frage sie, ob gerade Ebbe oder Flut ist? Die Antwort, „Sie kann jetzt nicht antworten, sie hätte gerade Mittagspause“ verblüffte mich etwas. Sind die hier Alle so? Wieder auf der Urelbe ist gleich links ein schöner Sandstrand. Das Richtige für eine Pause. 14:45 Uhr wollen wir wieder in die Boote. Dort bei Ebbe einsteigen fordert ein schnelles lospaddeln, weil man sonst gleich wieder aufsitzt oder man kommt wieder nicht über die nächste Sandbank. Ich habe zwei Versuche bis ich mit der Wirkung der Gezeiten umgehen kann. Das Paddeln bei fallendem Pegel führt schnell zur Selbstüberschätzung.

    Bald müssten wir da sein, in Hamburg. Vládjá will in Hamburg in den Peutehafen, ich eventuell auch. Er hat dort Tschechische Freunde im CZ Schifffahrtshaus. Ab dem km 590 kommt es anders. Die Flut ist da. Ab jetzt kommt der Effekt, den ich schon von der Elbe stromaufwärts in Dresden kenne. Unter Ausnutzung der Verwirbelungen im Uferbereich erreiche ich paddelnd die 600 km Marke. Vládjá ist abgefallen und nicht mehr zu sehen. Die Gegenströmung fordert ihren Tribut. Was mache ich? Fahre ich die Süd- Elbe oder die Nord- Elbe, bei km 609 muss ich mich entscheiden. Ich paddle die Süderelbe nach Hamburg, weil ich dort bald einen Kanuverein erhoffe.

    Mir kommen Paddler entgegen, logisch wer paddelt schon gern gegen die Strömung. Ich erfahre, dass ich bei km 615, gleich nach den Brücken rechts, beim WV Süderelbe gern zelten kann. Um 19 Uhr hat die Paddelei ein heutiges Ende. Per elektrische Seilwinde, mit dem dazugehörigen Bootswagen werde ich aus dem Wasser auf das Bootsgelände vom WV Süderelbe gezogen. Was für ein Spaß. So einen Ausstieg aus Wasser und Boot kannte ich noch nicht. Fix das Zelt aufgebaut, geduscht und gern die Teilnahme am Donnerstag-Trainingsbüffet genutzt. Es schmeckt, es gibt reichlich Salat und ich kann mit dem „Resterverputzen“ meinem wochenlangen Salatentzug entgegen wirken. Mir geht es gut. Ich habe alles richtig gemacht. Die Süderelbe war eine gute Entscheidung. 21 Uhr ruft mich Vládjá an, es ist schon dunkel. Es sagt, er sei jetzt im Peutehafen und wo ich wäre? Wir verabreden uns für morgen Mittag an den Landungsbrücken zum Hafenfest. Ich schlafe gut, obwohl die nahe Brücke nie Ruhe gibt.

  • 9. Mai, der Freitag vor Pfingsten

    Schön lange ausgeschlafen, in Ruhe gefrühstückt. Das Zelt richtig trocknen lassen, denn Zelten ist erstmal vorbei. Heute will ich mir meine eigene Hafenrundfahrt organisieren und weiter zur Alster. Wegen dem hohen Schiffsverkehr zum Hafenfest und den dementsprechenden Wellen bin ich am Abend zuvor, vor der Überfahrt an Landungsbrücken gewarnt worden.

    Start 10:30 Uhr bei sonnigem warmem Wetter. Hamburg hat für das Hafenfest das passende Wetter eingekauft. Da ca. 12 Uhr treffen an den Landungsbrücken zu Wasser und zu Lande sein sollen, muss ich mich für eine kleinere Hafenrundfahrt entscheiden.

    Ich paddle in Richtung Norden bis es rechts zur Schleuse Reiherstieg geht. Erwartungsvoll paddle ich an die Schleuse ran, in der Hoffnung, dass meine Technikgläubigkeit belohnt wird. Mal sehen ob deutsche Ingenieurkunst einen einzelnen Paddler, der nur 60 cm über der Wasseroberkante raus guckt (also auf dem Niveau eines Schwanes), in der Radarerfassung als schleusenwürdig hinterlegt haben. Donnerwetter, das Tor öffnet, wegen mir? Vielleicht doch nicht? Unbemerkt hat ein größeres Schiff hinter mir markante Radar- Reflektion geliefert. Gemeinsam fahren wir in den Reiherstieg ein. Jetzt erhoffe ich mir das gewünschte Hafenarbeiter-Flair mit den nötigen Schwimmkörpern dazu.

    Gierig schaue ich mich um, um etwas Besonderes zu entdecken. Große Hochseefrachtschiffe liegen wie tot rum. Endlich eine Poente in Sicht. Eine Strickleiter hängt außenbords. Eine verdreckte Arbeitskleidung zwischen den Sprossen, später erkenne ich Hände, Füße und Kopf dran. Drei rostfarbene Gesichter schauen regungslos oben über die Reling in Richtung der eventuellen Abtropfstelle der Außenbords-Arbeitskleidung. Nichts passiert, nicht einmal dann, wo ich provokativ das Arbeitsdenkmal fotografiere. Wahrscheinlich guckt der Chef mit zu. Ich paddle weiter. Greenpeace schmückt ein verstecktes kleines Gebäude mit diesem Namenzug. Wenn keiner die Schleusen vom Reiherstieg aufmacht, kommen die mit ihrem Besucherboot auch nicht zur Attacke, denke ich mir so.

    Jetzt komme ich zu den Schiffen, die im Dock trocken gelegt wurden. Das Wasser ist platt im Reiherstieg. Eine gefüllte Barkasse kommt mir im engen Kanal entgegen. Der Kapitän spricht unaufhörlich zu den Leuten. Ich versuche dem Kapitän zu zuhören, um eine von den bezahlten Hafengeschichten unbezahlt zu ergaunern. Doch die fette Barkasse macht so viel Wellen, das ich mit Balance halten ausgelastet bin. Die Wellen kommen nicht zur Ruhe in dem engen steilen Kanal. Dann gibt es eine Möglichkeit zum Anlanden. Meine letzte Chance mich seemännisch für die Querung zu den Landungsbrücken vorzubreiten. Also ich lege die große Rüstung an, alle Lucken werden dicht gemacht und Pepes Festkrallmatte auf dem Heck wird auch geprüft. Bei überspülenden Wellen soll beides an Bord und über Wasser bleiben.

    Ab der Argentienbrücke schweppert es im Reiherstieg beeindruckend. Die Wellen drücken vom reichlichen Schiffsverkehr der Norderelbe rein. Die entgegen kommenden Barkassen mischen die Wasseroberfläche zum Chaos. Die hohen Spundwände ergeben eine gewisse Zwangsläufigkeit in der Konzentration. Es ist 12 Uhr, ich bin an der Norderelbe und die Landungsbrücken habe ich auf der anderen Seite vor mir. Es taumelt mächtig das Boot. Leider habe ich keine Nerven um die besondere Kulisse zu genießen. In einer gefestigten Habachtstellung suche ich nach der Möglichkeit zur behinderungsfreien Querung der Norderelbe. Die Berufsschifffahrt lässt sich nicht herab, mir eine Überfahrgasse zu bilden. In dreier und vierer Reihen wird vor den Landungsbrücken in willkürliche Richtungen herum geschifft.

    Das Hafenfest ist im vollen Gange. Ich muss durch. Rüber auf die andere Seite, zum Hochhaus, zur Schaartor-Schleuse. Um 12 Uhr Mittags wollte ja auch Vládjá an den Landungsbrücken sein und meine Frau soll (auch ab 12 Uhr) Fotos vom Hafenfest mit mir machen. Also mit der Gewissheit unter Beobachtung zu stehen wage ich die Durchfahrt zwischen den Schiffen. Ich paddle sehr konzentriert, kräftig, zielsicher und muss trotzdem schön locker um die Hüfte bleiben. Die vielen hohen Kreuzwellen und das gewagte Durchschlüpfen an den Fahrgastschiffen erzeugen im Körper eine Verbindlichkeit zum Wesentlichen. Am anderen Ufer im ruhigen Wasser geht der Puls wieder runter. Ich denke mir, das war das verrückteste, was ich mir auf der Elbe angetan habe und warte auf den Beistand von meinen persönlichen Zaungästen. Doch ich erkenne, ich bin mein einziger Beistand. Keine Fotos und auch kein Vládjá.

    Mit 1,60€ erkaufe ich mir die Wasserzufahrt zur Binnenalster. Als ob ich ein Beiboot von den Barkassen bin, werde ich mit denen geschleust. Nach dem die Rathaus-Schleuse den Blick frei gibt zur großen Fontäne auf der Binnenalster ist anscheinend endgültig der aufregende Teil des Tages vorbei. Alles ist beschaulich ruhig, Sonne, warm und viele flanierende Uferabschreiter. Auf der Außenalster paddle ich gemütlich in Richtung Osterbekkanal. Am Alten Teichweg soll ich mit einer Wohnung empfangen werden. Also nichts wie hin. Der Osterbekkanal endet für Paddelboote mit einem Wehr an der Wachtelstraße. Von da ab existiert nur noch ein kleiner Bach als Zufluss.

    Ich telefoniere, um von Ortskundigen die Gewissheit zu bekommen, dass ich richtig bin. Keiner ist in der Lage zu deuten in welcher Nähe ich bin. Ich zerre das Boot aus dem Wasser, schnalle es auf den Bootswagen und Pepe wird an der Bootsspitze fixiert. Ich schreite die nächsten Wege ab, im 6,50m Hund-Boot-Mensch Verbund. Radfahrer reagieren manchmal sehr überrascht bis überfordert über unsere Ausmaße als Risiko. Trotz meiner ständigen telefonischen optischen Darstellung, weis der Zuhörende nicht so genau wo ich sein könnte. Endlich bin ich mit meinem straßenuntypischen Gespann an der U-Bahnstation. Ich soll dort warten, denn dieser U-Punkt ist was Bekanntes. Viele fragende Blicke mit hinterhältiger Erheiterung muss ich aushalten. Ob der wirklich mit Hund und dem 5m Boot in die U-Bahn will?

    Ich erkenne in der Ferne die mich Suchenden. Daraufhin kann ich mich zielstrebig von der U-Bahnstation lösen und mich den Suchenden nähern. Besonders freue ich mich über die lange vermissten Wortfindungen, warum ich mich so angestellt habe. Der Alltag hat mich wieder.

    Kurzfassung:

    Teilnehmer: Heinz Jäschke
    Ungefragter Teilnehmer: Pepe, der Hund, auf dem Oberdeck im Heckbereich freilaufend

    Boote: Prijon Prilite T 505
    Richtung: Hamburg
    Dauer: 01.05. – 09.05.2008

    1.Tag: Grenze – Dresden 63 Tages km - 62 Elbe km
    2.Tag: Dresden – Torgau 93 Tages km - 155 Elbe km
    3.Tag: Torgau – Coswig 81 Tages km - 236 Elbe km
    4.Tag: Coswig - Magdeburg 87 Tages km - 323 Elbe km
    5.Tag: Magdeburg - Arneburg 80 Tages km - 403 Elbe km
    6.Tag: Arneburg – Schnackendorf 72 Tages km - 475 Elbe km
    7.Tag: Schnackendorf - vor Bleckede 73 Tages km - 548 Elbe km
    8.Tag: vor Bleckede – Süderelbe Hamburg 67 Tages km - 615 Elbe km
    9.Tag: Süderelbe - Wachtelstraße Hamburg 10 Tages km



    Ein breites Angebot an Sport- und Reise-Literatur erwartet Sie.
    Bestellen Sie gleich schnell und bequem im Online-Shop und Ihr gewünschter Artikel kommt direkt zu Ihnen nach Haus.

    Notiz: Alle Waypoints der Reise auf Google Map hier!


  •  
    Verwandte Links
    · Mehr zu dem Thema Paddel Infos
    · Nachrichten von Heinz_Jaeschke


    Der meistgelesene Artikel zu dem Thema Paddel Infos:
    Robson Homes - ein Frankie Hubbard Design


    Artikel Bewertung
    durchschnittliche Punktzahl: 5
    Stimmen: 2


    Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

    Exzellent
    Sehr gut
    gut
    normal
    schlecht


    Einstellungen

     Druckbare Version Druckbare Version

     Artikel empfehlen Artikel empfehlen


    "Die deutsche Elbe im Mai 2008" | Anmelden/Neuanmeldung | 0 Kommentare
    Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasser verantwortlich.

    Keine anonymen Kommentare möglich, bitte zuerst anmelden

     
    Web site powered by Linux Web site powered by PHP-Nuke Web site powered by Apache Web site powered by MySQL Administrator Stefan Meuwly

    Logos und Warenzeichen sind in der Regel geschützt