Herrentagsfahrt auf der Spree
Bearbeitet am Donnerstag, 04. Juni 2009 19:06:42 CEST von Stefan_Meuwly
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Herrentag ist in Brandenburg das was bei uns Vatertag oder Himmelfahrt genannt wird und eingeladen hatten die Brandenburger Einzelpaddler.
Einzelpaddler sind eben nicht, wie der Name vielleicht vermuten lässt, jene vereinsmeiereifreien Individualisten, sondern hier ein sehr geselliger Verbund der gerne im großen Haufen paddeln geht.
Auf dem diesjährigen Herrentagsprogramm stand die Befahrung diverser Spreeteile im und rund um den gleichnamigen Wald.
Irgendwie war die Einladung per eMail auch bei mir in Bayern gelandet und das obwohl der diesjährige Organisator gar keinen PC besitzt und genauso verwundert war Hermann dann auch, als er aus Bayern eine Anmeldung bekam. Sie wurde schriftlich und per Post gefordert.
Trotzdem wurde dem Gesuch stattgegeben und die Reise mit Hund, Kanadier und T@B am Haken, von der Traun an die Spree, begann. Einige Paddelfreunde aus Dresden wollten die Tage auch noch dazu stoßen und mich im C2 zudem noch personell unterstützen.
Hermann und Christa wohnen direkt an der alten Spree kurz vor der Mündung in den Schwielochsee und mein Garmin dirigierte mich brav bis vor das Gartentor. Wegen meiner Anreise am Vortag war auch noch keiner da und ich unternahm noch am Abend eine kleine Runde um die Insel, die sich zwischen alter und neuer Spree und dem See ergibt. Nun, als Türkiswildwasser verwöhnter Alpenregionspaddler vermisst man etwas die Strömung in diesem Spreewaldgurkenwasser, aber beeindruckend ist hier das manchmal ganz geschlossene Blätterdach über diesen Wasserstrassen.
Am nächsten Tag dann gleich eine 8 Stunden Gewalttour von Kuschkow über die Pretschener Spree nach Werder und Sawall. Besonders in der renaturierten Pretschener Spree wurde die Strecke durch die endlosen neuen Mäander vervielfacht und die Verkrautung hemmte den Vortrieb erheblich. Pech für mich, dass meine Freunde aus Dresden nicht gekommen waren und ich die ganze Strecke allein mit J-Schlag paddeln musste, aber auch andere empfanden die Tour etwas arg lang.
Ich gönne mir einen Tag Pause, paddle nur etwas das Schwielochseeufer entlang und hänge dann zwischen Bäumen in der Matte als mich bekannte Stimmen aus dem Dösen reißen. Meine Dresdner kommen in ihren Seekajaks die alte Spree entlang und treffen mich hier ganz zufällig. Sie hatten ihre Zelte am gegenüber liegenden Ufer des Sees aufgeschlagen und unsere gegenseitigen Handynummern waren auch nicht mehr aktuell. So bekomme ich die nächsten Tage dann doch noch eine Mitpaddlerin, was auf diesen Gewässern, wo man manchmal gar nicht weiß in welche Richtung es fließt, gleich viel mehr Spaß macht.
Meine Routenempfehlung für Spreeneulinge ist ganz klar die Rundstrecke, Groß Wasserburg – Schlepzig – Leibsch – Groß Wasserburg. Der Womo/Zelt Stellplatz in Groß Wasserburg ist für 3 Euro die Nacht erste Klasse. Die Belegung der wenigen Plätze mit Stromanschluss ist hier Chefsache und der Bürgermeister kommt dann nach dem Anruf auch gleich persönlich vorbei. Nicht vergessen, das Nationalgericht hier: Pellkartoffel mit Quark und Leinöl. Ja, ich habe das früher auch nur mit dem Firnis-Röhrchen auf meine Malereien geblasen, aber es schmeckt gut.
Auf der Heimfahrt hab ich dann noch, einer Paddlerempfehlung folgend, das Ungeheuer von Lichterfeld besucht. Beim Trabi haben die VEB Ingenieure ja noch gekleckert, hier wurde echt geklotzt.
In Lichterfeld steht ein Gigant der Technik: 502 Meter lang, 202 Meter breit, 80 Meter hoch, 11.000 Tonnen schwer, erzählt die ehemalige Abraumförderbrücke F60 von Geschichte und Gegenwart des Braunkohlenbergbaus in der Lausitz. Die F60 ist eine der größten beweglichen Arbeitsmaschinen der Welt. Gebaut wurde sie durch den VEB TAKRAF Lauchhammer vor Ort von 1988 bis 1991 als die letzte von fünf Geräten dieser Serie.
Man nennt das Ungetüm auch den liegenden Eiffelturm, aber die F60 ist noch satte 182 Meter länger als jener Eisenzwerg in Paris. Im September 2000 stieg Ex Bundeskanzler Gerhard Schröder 87,5 Meter und im Mai 2009 der InterPixel Admin alle 502 Meter des Besucherbergwerks hinauf.
Das riesige Loch, das dieses Gerät dort gegraben hat, läuft seit einigen Jahren langsam voll Wasser und soll bald uns Wassersportler erfreuen. In der Verlängerung des Besucherparkplatzes findet der autarke Wohnmobillist auch ideal versteckte Stellplätze für die Nacht vor und nach der Besteigung.
Glück auf!
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